In den vergangenen Jahren sind die Fernsehteams immer weiter geschrumpft – zumindest
bei einigen Sendern, die die Kosten im Auge hatten. Die Folge war nicht
etwa eine Überforderung des Journalisten und Kameramanns, sondern eine
sinnvolle Nutzung der Technik.
Noch radikaler sind die Videojournalisten.
Dort übernimmt der Journalist
auch gleich noch die Funktion des Kameramanns. Eine Lösung, die schon
vielfach auch bei öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern eingesetzt
wird – mit Erfolg versteht sich. Da aber die Belastung mitunter sehr
hoch ist, führen regelmäßige und tagesaktuelle Drehs zur
Erschöpfung.
VJ-Training
Ich arbeite seit acht Jahren in der praktischen und theoretischen Entwicklung sowie Anwendung des Videojournalismus. Von den Erfahrungen haben zahlreiche Kollegen in meinem ursprünglichen Sender n-tv profitiert, aber auch internationale Journalisten, mit denen ich seit fünf Jahren in Madrid arbeite.
Was ist Videojournalismus 2.0?
In den vergangenen zwei Jahren ist der Videojournalismus als solcher in Deutschland angekommen und dabei, sich zu etablieren. Die Definition ist jedoch noch schwammig Für viele ist es der Journalist, der mit der Kamera loszieht, fragt, dreht und schneidet. Für andere einer, der gelegentlich zur Kamera greift und dessen „originelle“ Kameraführung besonders gekennzeichnet wird.
Videojournalismus 2.0 versteht sich als Weiterentwicklung, als Anpassung an die neuen technologischen Möglichkeiten ohne jedoch die Ansprüche an Journalismus und Technologie außer Acht zu lassen. Das Ziel ist, flexiblere Fernsehjournalisten zu bekommen, deren Qualität sich jedoch mit der gewohnten Qualität von EB-Teams messen muss. Konkret heißt das:
- VJ funktioniert nur mit solide ausgebildeten Profis.
- VJ funktioniert nur mit besonders konfektioniertem Equipment.
- VJ funktioniert nur, wenn Reporter, Redaktion und Technik eingebunden sind, die Chancen und Grenzen kennen.
- VJ hat den Anspruch, den TV-Journalismus flexibler zu machen.
- VJ will nicht, dass der Journalist künftig nur allein loszieht.
- VJ will, dass der Journalist AUCH allein arbeiten kann.
- VJ heißt grundsätzlich Journalist + 1 Helfer bei Interviews, Vox-Pops und Aufsagern.
- VJ respektiert die extrem hohe Belastung bei Ein-Mann-Drehs.
- VJ sollte den Redaktionen den Mut zum Risiko zurückbringen, eigene Themen zu suchen. Die Kosten für einen verlorenen VJ-Tag sind kalkulierbar.
Diese Grundsätze sind das Ergebnis aus acht Jahren regelmäßiger Arbeit als Videojournalist, in denen alle erdenklichen Technologien eingesetzt wurden und menschliche Grenzen ausgelotet wurden. Die Erfahrungen umfassen das gesamte Spektrum des TV-Journalismus und sind somit fundiert.
Kursinhalte
Vor dem Hintergrund der Ansprüche an den Videojournalismus wird kein Kurs mit festen Inhalten angeboten, ohne nicht die Ziele und den Umfang der gewünschten Schulung durch den Auftraggeber zu kennen. Erst auf dieser Grundlage werden Lernziele erarbeitet. Gerade bei kurzen Seminaren besteht die Notwendigkeit zu Aufbauseminaren und zur Betreuung der Teilnehmer, um Fehler im Berufsalltag sofort ausmerzen zu können (s.o. Einbindung in die Redaktion und Technik). Zur Vorbereitung eines Seminars gehört auch ein genauer Blick auf das Equipment. Oftmals werden Kameras und Zubehör gekauft, die nicht ideal für den Videojournalismus sind oder die falsch eingestellt sind. Wie oben bereits erwähnt muss das Equipment ideal abgestimmt sein, um dem Videojournalisten zu dienen.
Kursbeispiel: n-tv
Zwei Tage stehen für zwei Kollegen zur Verfügung. Einschränkung der Lernziele auf zwei Elemente: Aufsager und O-Töne, Ausgrenzung von der Leitung gewünschter Inhalte wegen Zeitmangels und nicht bewährter Technik. Zunächst wurde ermittelt, welches Vorwissen besteht. Am Kursanfang Analyse von mitgebrachten Beispielen. Dann praktische Übungen und Vermittlung des notwendigen theoretischen Hintergrundes. Übungen zunächst im Seminarraum, dann in typischer Umgebung außerhalb des Senders. Am Ende der zwei Tage Analyse des gesammelten Materials.
Mob. +34 644 267 109 - redaktion@boehnisch.de